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 KOLUMNE à la CARRIE 

4.12.

4 Dec 2017

Es schneit.
Und ein wenig bleibt liegen.

 

Seit Wochen graust es mich vor dem Monat Dezember.

Und vor allem vor einem Tag.

Heute.

Dem 4. Dezember.

 

 

 

Ein Jahr.

 

Die letzten Wochen war ich irgendwie angespannter und es wurde immer stärker, desto näher der Dezember rückte. Ich weiß nicht warum. Wahrscheinlich weil ich Angst hatte wie ich mich heute fühlen würde.

'Es wird ein Tag werden, wie jeder andere auch', dachte ich.

Aber da ich mir nicht 100% sicher sein konnte, und ja - Angst hatte, dass dieser Tag womöglich besonders emotional werden würde, graute es mir davor.

 

Vergangene Woche schneite es schon einmal.

Ich war mit den Hunden spazieren und es lag gerade so viel Schnee, dass ich bei jedem Schritt den Schnee unter meinen Schuhen knirschen hörte. Dieses vertraute Gefühl und Geräusch, das den Winter ankündigt. Und nicht nur das. Dezember bedeutet auch Adventszeit, Weihnachtsmärkte, die bekannten Weihnachtslieder im Radio, eben einfach diese besondere Zeit im Jahr, in der alles etwas gemütlicher wird. Die Zeit in der man die Wohnung dekoriert und in diese besondere Stimmung kommt.

 

Wegen der Gerüche, der Kerzen und Lichterketten in den Fenstern und der Wärme von Zuhause...

 

Diese ekelhafte Kälte ist absolut nicht Meins, aber trotzdem freute ich mich Jahr für Jahr auf Weihnachten.

Weihnachten und vor allem die Feiertage waren so besonders, weil das die einzige Zeit für mich und meine Familie ist, in der wir wirklich mal frei haben und diese freie Zeit auch bewusst Zuhause verbringen.

Urlaub daheim.

Das mag für viele seltsam klingen, aber wenn man Selbstständig ist, ist der Urlaub, den man nehmen kann, überschaubar. Und wenn Urlaub, dann am besten weit, weit weg, in ein Land mit großer Zeitverschiebung.

Aber ganz abschalten kann man nie.

Weihnachten ist die Ausnahme: die meisten Kunden gehen selber in den Urlaub, also bleibt das Telefon still.

Und für uns waren es eben diese paar Tage Urlaub die wir auch mal in Ruhe daheim verbringen konnten.

Und nicht nur das war für mich besonders, sondern auch diese beschriebene Weihnachtszeit, diese besondere Atmosphäre, die Stimmung und vor allem diese Ruhe nach dem Heiligen Abend.

Eine Ruhe die zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr so präsent ist.

 

Ich hatte wahrscheinlich auch Angst, dass ich genau das alles nicht mehr genießen kann und darf.

 

Vor knapp einem Jahr konnte ich diese Zeit nicht genießen.

Ich habe sie überhaupt nicht mitbekommen.

Heute vor einem Jahr passierte der Unfall.

Und von heute auf morgen änderte sich alles.

Ich habe darüber geschrieben, wie schlimm die ersten drei Wochen auf der Intensivstation für uns alle waren, und vor allem diese Tage an denen wir eine Beerdigung planten, anstatt Geschenke zu kaufen. Und tatsächlich hatten wir damals Gedanken wie: „Wie können wir den Sterbeprozess hinausschieben, dass der Todestag meines Bruders nicht auf Heilig Abend oder Silvester fällt, so dass wir nicht jedes Jahr zu dieser Zeit trauern.“
Heute klingt es in meinen Ohren  absurd, aber solche Gedanken sind ganz normal und legitim, wie ich heute weiß. Vielleicht kommt daher auch die Unruhe in mir, weil diese Zeit nun so oder so mit etwas Tragischem verbunden ist und die Stimmung getrübt wird.

 

Wie jedes Jahr überraschte mich meine wundervolle Manuela, meine Mitbewohnerin, auch dieses Jahr mit einem Adventskalender (diesmal hast du dich selbst übertroffen – Bastelqueen – danke von ganzem Herzen) und als ich vor ein paar Tagen das erste Päckchen öffnete, freute ich mich so sehr, dass ich nicht lange überlegen musste und auf Spotify eine Weihnachtsplaylist abspielte, unsere komplette Weihnachtsdekoration aus dem Keller holte, den Christbaum aufstellte und ihn und die ganze Wohnung schmückte.
Als ich am Tag darauf morgens aufstand und unsere WG sah erfreute ich mich an diesem Anblick.

Ich freute mich wirklich und als es dann auch noch zu schneien anfing, kam doch diese besagte vorweihnachtliche Stimmung in mir auf.

 

Es ist unglaublich beruhigend für mich, dass ich mich nach wie vor an all diesen Dingen erfreuen kann. Das lässt eine leise, kleine Hoffnung aufkeimen, dass ich das restliche Jahr auch irgendwann irgenwie wieder genießen kann.

 

Ein Jahr.

Das erste Jahr danach.

Noch immer vergeht kein Tag, an dem ich nicht mindestens einmal weine, weil dieser Schmerz und die Sehnsucht so groß sind.

 

Natürlich ist der Tag heute emotionaler, weil es sich nun das erste Mal jährt. Und natürlich wird auch die Weihnachtszeit für uns nicht angenehm, weil es schlichtweg die Zeit der Familie ist, die einzige Zeit in der wir als Familie die Zeit bewusst zusammen Zuhause verbrachten.

Und jetzt fühlt es sich anders an.

 

Natürlich - es fehlt Jemand. Jemand ganz Wichtiges.

 

Aber ich muss auch sagen - und daran versuche ich festzuhalten –  vor einem Jahr standen wir nicht an dem Punkt, an dem wir nun mal heute stehen.

Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber wenigstens haben wir die Chance bekommen, die zukünftigen Weihnachtsfeste mit meinem Bruder verbringen zu können.
Auch wenn er dieses Jahr noch nicht bei uns Zuhause sein kann, dürfen wir weiter hoffen, dass er es irgendwann wieder kann.

Ich glaube ganz fest daran.
Und nichts anderes zählt.

 

 

Ich hoffe ihr alle hattet einen entspannten ersten Advent und ich wünsche euch, dass ihr die Weihnachtszeit voll und ganz genießen könnt.

Und vielleicht schaffe ich es mit meinen Texten, den ein oder anderen davon zu überzeugen, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist, gerade an Weihnachten.

Es sind nicht die Geschenke.

 

 

Love, Carrie

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