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 KOLUMNE à la CARRIE 

Was ich durch den Autounfall meines Bruders gelernt habe.

5 Nov 2017

Ein Autounfall verändert alles.
Vor allem dann, wenn er so schwerwiegende Folgen hat.

Für alle Beteiligten.

 

Im Laufe unseres Lebens werden wir mit dem Tod konfrontiert, es ist keine Frage ob, sondern lediglich wann.
Manche müssen bedauerlicherweise die Erfahrung recht früh machen, andere bleiben länger davon verschont.

 

 

 
Die letzten Jahre war ich auf einigen Beerdigungen, die von meinen Opas - da war ich noch zu klein um richtig zu verstehen, von ältere Verwandten und von Bekannten.
Und leider auch bei einigen, die viel zu früh aus unvorstellbaren Gründen gestorben sind.
Und trotzdem habe ich nie bewusst über Sterben und den Tod nachgedacht, bis zu dem Moment, als ich entscheiden sollte, ob die Geräte meines Bruders abgestellt werden oder nicht.
Und für eine gefühlte Ewigkeit wurde ich in den Glauben versetzt, dass mein Bruder sterben muss. 
Mein kleiner Bruder. Mit 24 Jahren!

 

Ich glaube, das kann man mit nichts vergleichen. 

 

Es ist – vorsichtig ausgedrückt – normaler, dass wir - früher oder später - unsere Großeltern und dann auch unsere Eltern zu Grabe tragen. Ja auch das ist furchtbar und zerreißt uns das Herz, aber das ist der Kreislauf des Lebens.
Jedenfalls sollte es so sein. .
Aber verdammt nochmal nicht den kleinen Bruder, als 26-Jährige.

 

Das verändert schlagartig.

Dieser eine Tag holt mich immer wieder ein.
Ich versuche es zu verdrängen, weil wir diese Phase zum Glück überwunden haben und besagte Option nicht eingetreten ist.


Aber ich habe mich dadurch sehr verändert.
Sowie auch meine Einstellung zum Leben.

 

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.

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Die folgenden Punkte mögen für Euch sicherlich selbstverständlich klingen und nichts Neues darstellen. Bestimmt wusste auch ich all das vor dem Unfall schon, aber irgendwas ist jetzt einfach anders.


 

1. Sterblichkeit

 

Die Bedingung des Lebens. Wir sind keine Vampire, wir sind nicht unsterblich. Wir werden geboren und wissen schon zu diesem Zeitpunkt, dass wir eines Tages wieder sterben werden. Nur denken wir selten darüber nach. Und was sterben wirklich bedeutet, habe ich bis zu oben genannten Tag nicht verstanden. Jetzt tue ich es. Jetzt weiß ich wie sich Verlust und Schmerz anfühlt.

Wir sind sterblich, und zwar zu jeder Zeit, aus den unterschiedlichsten Gründen.
Ich wurde mir der Sterblichkeit bewusst. 

 

2. Das Bewusstsein fürs Leben

 

Kein Mensch ist mir näher als mein Bruder. Und wenn plötzlich die dir nahestehendste, dir ähnlichste Person zwischen Leben und Tod schwebt, kommt der Punkt, an dem man sich vorstellt, wie es wäre, wenn man selbst in dieser Situation wäre. Mag lächerlich klingen, aber es war wie eine Erleuchtung und ich dachte nur „FUCK! Was würde ich alles bereuen nicht getan zu haben und was muss und will ich in meinem Leben unbedingt noch erleben, erreichen, sehen und ausprobieren.“ Das Leben an sich, mit all den scheiß schlimmen Erfahrungen, es ist trotzdem wundervoll und man sollte es ganz arg bewusst leben. So gut wie möglich, mit so viel Erfahrungen wie möglich.

 

3. Familie

 

Meine Familie ist nicht perfekt und ich bezweifle, dass es eine perfekte Familie gibt. Aber von der ersten Sekunde an bis heute, halten wir alle zusammen und stehen Tag für Tag an der Seite meines Bruders. Jeder hat von Anfang an sein Bestes geben, jeder auf seine Art und Weise. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, deswegen wurde ich mir erst jetzt bewusst, was Familie heißt und für was sie gut ist. Zum Beispiel: mein Bruder hat mit einigen Freunden sicherlich mehr Zeit verbracht, als mit seinen Großmüttern, aber diese Freunde sind nicht jeden Tag an seiner Seite.

Die Familie ist das Wichtigste, denn sie ist da.

Immer.

 

4. Wahre Freunde

 

Bisher konnte ich den Spruch: „Erst in harten Zeiten, zeigen sich deine wahren Freunde“ – oder so ähnlich – nicht bestätigen -  jetzt kann ich es. Genauso wie ich mich verändert habe, haben es auch einige meiner Freunde. Sie haben ihr wahres Gesicht gezeigt. In solch einer Situation offenbart sich, was die Basis einer Freundschaft definiert: das Leid teilen und füreinander da zu sein. Dem Leidenende helfen wo es nur geht. Jeder einzelne meiner Freunde hat seine eigene Art gefunden, für mich da zu sein, mir zu helfen oder mir einfach nur zu zeigen, dass er mitfühlt. 
Und manche eben nicht. Das ist keine Freundschaft.

 

5. Meine Stärke

 

Ich wollte immer eines: als stark gelten. Eine starke Frau sein. Starke Frauen habe ich immer bewundert. Ja nur was definiert ‚stark‘, darüber hatte ich nie wirklich nachgedacht. Mir war auch nicht bewusst, wie stark ich eigentlich längst war. Trotzdem habe ich es in den richtigen Situationen bewiesen. Ich bin stolz auf das was ich jeden Tag leiste. Ich traue mich zu behaupten: „Das muss mir erstmal Jemand nachmachen.“ Und das ist ein verdammt gutes Gefühl!
 

 6. Wertvolle Zeit

 

Ja die Zeit. Wir nehmen sie als viel zu selbstverständlich hin. Aber um ehrlich zu sein ist sie das wertvollste Gut, das wir haben. Es ist nicht wichtig, welches Lied gerade im Radio läuft, schaut lieber auf die Straße, anstatt den Sender zu wechseln. Stau, meine Güte, es gibt absoult keinen Grund zum drängeln oder zu rasen. Und die Nachricht auf dem Handy kann warten, bis wir geparkt haben.

In einer Beziehung zu stecken, die uns nicht erfüllt – schieß ihn (oder sie!) ab -  das Gleiche gilt übrigens für Freunde – wer will schon seine wertvolle Zeit mit den falschen Menschen verbringen?
Ach und das gilt auch für den Job.
Zeit ist kostbar, so wie unser Leben.

 

Und jeder Tag ist es ebenfalls.

Man sollte seine Zeit nicht verschwenden.

 

Leider musste erst etwas ganz Schlimmes passieren, dass sich das in meinen Kopf einhämmert.
Kein Tag vergeht, an dem ich mir nicht all diese Punkte ins Gedächtnis rufe.

 

 

Macht euer Leben lebenswert.

 

 

Love, Carrie

 

 

 

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