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 KOLUMNE à la CARRIE 

Trauern macht (manchmal) einsam

20 Aug 2017

Es gibt Menschen die sind nie allein.
Sie wollen nicht allein sein oder kommen nicht mit sich allein zurecht, also haben sie immer Jemand um sich herum.

Ich gehöre da nicht dazu. Noch nie. Ich brauche das "Alleinsein".

Manchmal.

 

 

 

Nachdem ich mit meiner Katze von daheim ausgezogen bin, bezog ich eine 1-Zimmerwohnung in der Nähe des Wöhrder Sees in Nürnberg.
Knapp 30qm voller Freiheit, was war das für eine Erfahrung. Freunde und Männer kamen und gingen wann ich das wollte, keine Eltern die zwei Zimmer weiter auf dem Sofa liegen. Schon damals habe ich mir immer bewusst meine Momente genommen, in denen ich allein in meiner Wohnung saß, lag, kochte, tanzte, telefonierte, was auch immer.

Das war für mich der Inbegriff des Erwachenswerdens.

Ich spazierte alleine zum See, setzte mich in den Sand. Ich ging samstags zu Fuß zum Hauptmarkt um frische Blumen zu kaufen. Ja selbst die eigene Wohnung putzen, machte plötzlich Spaß.

 

Ich genoss das Alleinsein sehr. Doch ich fühlte mich nie einsam.

 

Das lag sicherlich an der ungewohnten Freiheit, der vielen neuen Erfahrungen, meiner Unbeschwertheit. An dem Nichtvorhandensein von diversen Verpflichtungen, den Partys, dem Alkohol und an den Menschen mit denen ich die Momente verbrachte, in denen ich nicht alleine sein wollte.

 

Ich fühlte mich nie einsam.

 

Und dann der Unfall.

 

Seitdem bin ich selten alleine.

Ungern.

Zum einen liegt das natürlich daran, dass ich nicht mehr alleine wohne. Ich lebe mit einer so wundervollen Freundin zusammen. Nach dem Unfall war ich rund um die Uhr bei meiner Mama, im Krankenhaus oder im Büro.

Und zum anderen wollte ich wenig alleine sein, denn dann ist es still. Keine Ablenkung. Dann kann man zu viel nachdenken. Und natürlich wollen die Freunde für einen da sein. Das ist auch gut so.

 

Ich bin selten allein. Und doch fühle ich mich jetzt einsamer denn je.

 

Woran liegt das?

 

Freundschaften werden begründet durch gemeinsame Hoch- und Tiefpunkte. Nehmen wir die Tiefpunkte. Als Tiefpunkte galten bisher zum Beispiel Trennungen. Wir wurden alle schon mal verlassen. Wir hatten eine schlechte Note, wir mussten eine Klasse wiederholen. Wir versagen bei irgendeiner Prüfung die uns das Leben so stellt. Wir trugen uns gegenseitig aus Clubs, weil wir nicht mehr laufen konnten.

Wir waren füreinander da - weil wir es nachvollziehen konnten – und genau diese Momente, diese Tiefpunkte, haben uns so sehr zusammen geschweißt.
Wir kennen uns, wir standen an jedem Abgrund gemeinsam.

 

Aber um ehrlich zu sein, muss ich jetzt zugeben, dass das alles Lappalien waren.

 

Jetzt habe ich das Gefühl, ein Stück näher am Abgrund zu stehen, als alle anderen.

 

Ich fühle mich einsam, weil ich doch niemanden habe, der es ganz beigreifen kann.

Wie auch, ich begreife es ja selber nicht.

Keiner hat das schon mal erlebt, das heißt, keiner kann mir wirklich helfen.

Keiner kann es ganz begreifen, wie es mir geht, wie ich mich fühle, meine Ängste, meine Gedanken. Keiner.

 

Versteht mich nicht falsch, meine Freundinnen sind jeden Tag für mich da und das was sie tun, tun sie toll und das hilft mir auch.

Aber es gibt eben niemand, der mir sagen kann was ich tun soll, weil sie es nicht wissen können.

Und das macht manchmal einsam.

 

Einsam wird man auch, weil man sicherlich vieles verpasst.

Wenn man das eigene Leben erstmal hinten anstellt, bleibt eben vieles auf der Strecke.

Alkohol trinke ich schon lange nicht mehr, nach feiern ist mir absolut nicht zu Mute. Die Öffentlichkeit meide ich meistens, weil ich Angst habe Leuten zu begegnen, die fragen wie es mir oder meinem Bruder geht. Aber genau in diesen Augenblicken will ich doch einmal nicht darüber reden.

Aber das können sie nicht wissen.

Die Leute – meine Freunde ausgenommen - gehen anders mit mir um. Diese mitleidigen Blicke, sie sind irgendwie vorsichtiger, aufgesetzt netter. 

Ob es so ist oder nicht, ich habe auch manchmal das Gefühl beobachtet zu werden, als könnten alle die graue Wolke sehen, die ständig über meinem Kopf schwebt.

 

Auch Freunde verstehen es manchmal nicht, wenn ich nach einer Stunde wieder verschwinde, weil ich mich nur noch in mein Bett legen möchte oder gar nicht erst auftauche, weil ich einfach nicht mehr kann.

Warum ich auf keine Nachrichten antworte, man mich abends kaum erreicht oder ich mich generell wenig melde. Weil mir eben manchmal alles zu viel ist.

Sie verstehen nicht, dass ich vieles nicht mehr ganz so locker sehen kann, wie vorher. Ob es nun Fahrradfahren in Amsterdam ist oder wenn man sich beim Autofahren nicht anschnallt oder mit dem Handy rumspielt.

Sie verstehen nicht, dass ich manchmal abwesend wirke, weil ich mit den Gedanken bei den schlimmsten Gedanken bin.

Sie verstehen nicht, dass wenn ein Anruf, bei dem ein falsches Wort bzgl. meines Bruders fällt, dass es mich vollkommen aus der Bahn wirft und ich mich dann in mein Schneckenhaus zurückziehe.

Und nur ganz wenige, geben mir die absolute Freiheit, mir das zu nehmen, was ich für richtig erachte und in dem Moment denke zu brauchen.

 

 

 

Ja, man manövriert sich auch etwas selber in die Einsamkeit.

 

Ich verspüre plötzlich unglaublich Neid.

Und aus Neid wird Wut und daraus wiederum Trauer.

Ich spüre den Stich, den es mir verpasst, wenn mir Freunde von ihren Erlebnissen oder Plänen erzählen.

Sie gehen auf Festivals.

Sie haben drei Wochen Urlaub.

Sie buchen eine Fernreise.

Sie fangen an ein Haus zu bauen oder planen eine Hochzeit.

Andere bereiten sich auf ein Date vor, andere auf einen Jobwechsel.

 

Sie haben jedes Wochenende frei zu ihrer Verfügung, können es nach Lust und Laune verplanen oder auch mal garnichts tun.

Und dann wissen sie es nicht mal zu schätzen.

 

Meinen Freunden und Freundinnen, jeden einzelnen, gönne ich es von Herzen.

Ehrlich. Ich freue mich sehr für sie.

 

Und versteht mich nicht falsch, ich weiß, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, aber irgendwie habe ich schlichtweg das Gefühl, dass keiner so schwer tragen muss wie ich.

Im Moment.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis.

 

Aber ich bin auch neidisch. Neidisch auf diese Freiheit und Unbeschwertheit.

Das Pläne machen, weil meine Pläne auf Eis liegen.

Die Leichtigkeit mit der sie jeden Tag beginnen können.

Ja ich bin oft neidisch.

Und dann bin ich traurig, weil mir bewusst wird, wie sehr sich mein Leben verändert hat und noch verändern wird.

 

Und das macht definitiv einsam.

 

.

.

.

 

Es ist ein Prozess.
Dass die Situation schlimm ist, bedingen viele unterschiedliche Aspekte.

Einen Schicksalsschlag muss man verarbeiten.

Und die Verarbeitung ist ein Prozess.
Wie auch meine Entwicklung.
Ich lerne Schritt für Schritt, mit allem umzugehen.

 

 

Das Gute daran ist, dass ich nie allein sein muss, wenn ich es nicht möchte.

Diese wundervollen Menschen in meinem Leben, sind an meiner Seite, wann immer ich sie da haben möchte.

Und wenn sie neben mir sitzen und ebenfalls weinen, dann weiß ich, dass ich eigentlich überhaupt nicht einsam bin.

 

 

Love, Carrie

 

 

 

 

 

 

 

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