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 KOLUMNE à la CARRIE 

Moderner Feminismus (?)

30 Jul 2017

Dior macht es vor: „We should all be Feminists“ der Titel von Chimamanda Ngozi Adichies Buch auf einem weißen Baumwollshirt.
Pardon, 86 % Baumwolle, 14 % Leinen. Nicht mal Bio-Baumwolle.
Das Shirt kostet süße 550 Euro.
Keine Sorge, die Billig-Modeketten ziehen nach: Feminism, Feminist, Female Force whatever… Statements auf sämtlichen Shirts und Pullis.

 

 

 

Eine ganze Generation trägt den Feminismus in die Welt hinaus, manche teurer, manche günstiger. Juhu Feminismus ist endlich Mainstream und im Alltag angekommen.

 

Aber brauchen wir Feminismus heutzutage überhaupt noch?
Und viel wichtiger: da wo Feminismus drauf steht, steck da auch echter Feminismus drin?

 

Auch ich habe eines dieser Shirts.

Mein Bücherregal ist gefüllt mit Biografien großer Frauen der Geschichte: Oprah Winfrey, Jacky Kennedy, Viviane Westwood, Natalia - Das teuerste Escort Girl der Welt...
Ich hatte schon immer ein Fable für interessante Frauen und deren Geschichte. 

Was sie geschafft haben. Wie sie angefangen haben.
Ich hatte wahrscheinlich dann auch schon immer ein Fable für Feminismus.

Sich als Feministin zu bezeichnen empfinde ich als toll, herausragend.
Denn schließlich sind ja nicht alle von uns Feministinnen.

 

Aber wenn wir ehrlich sind, denken wir bei Feminismus und Feministinnen sicherlich erstmal an demonstrierende Frauen die ihre Brüste entblößen und darauf ihre Botschaft stehen haben.

Vielleicht denken auch manche an Achselhaare und manch andere an Alice Schwarzer.
Alice Schwarzer. DIE deutsche Feministin. Die, die sicherlich viel Gutes getan hat.

Die Eine, die Gina-Lisa Lohfink glaubt und deren Gerichtsurteil für einen Skandal hält.

Mit nichts davon, was ich gerade aufgezählt habe, kann ich mich identifizieren.

 

Müssen wir also Feminismus neu definieren?

 

Die Frauen der Generationen vor uns mussten hart kämpfen für unsere Gleichberechtigung, das Wahlrecht, den Zugang zu Bildung und Arbeit und die Abnabelung von Vater oder Ehemann, der das Sagen hatte und somit das Leben einer Frau bestimmte.

 

Diesen Frauen gebührt unser Dank, denn sie haben es geschafft.

 

Aber genau deswegen, weil sie es bereits geschafft haben, bin ich der Meinung, dass man heute nicht mehr all zu laut Feminismus kreischen sollte.

 

Ich muss nicht mehr für Gleichberechtigung kämpfen, ich fühle mich absolut gleichberechtigt und bin es auch.
Ganz im Gegenteil, in vielen Fällen fühle ich mich Männern gegenüber überlegen.
Nach allem was ich in den letzten 8 Monaten durchgestanden habe, musste ich sehr oft feststellen, dass Frauen wesentlich stärker sind und wesentlich mehr leisten können als Männer.
Betrachte ich meinem Freundeskreis, waren es meine Freundinnen, die an meiner Seite standen, die die Situation „besser händeln“ konnten, während meine männlichen Freunde – das starke Geschlecht - einer nach dem anderen versagt hat.

 

 

 

Ich habe mal einen Satz gelesen der in etwa so lautete: „Zu Feministinnen werden Frauen, die sich für geringer als Männer halten.“

 

Halten wir uns für geringer?

Ich für meinen Teil nicht und die meisten Frauen, die ich kenne auch nicht.

 

Und deswegen denke ich, dass man heute von modernen Feministinnen sprechen muss.
Denn die Emanzipation und der Feminismus stellen uns Frauen heutzutage vor neue Herausforderungen.

 

Ich kann mein Leben selbst gestalten.

Ich bin gleichberechtigt.

Frauen dürfen heute Karriere machen.
Das Bild: Frau mit Kindern daheim hinter dem Herd in einer Blumenschürze – veraltet!


Aber ist es das tatsächlich?


Für mich persönlich, ist nämlich die größte Herausforderung die ständige Rechtfertigung für meine Entscheidungen, meine Ziele und Wünsche, wenn sie nicht dem üblichen Gesellschaftsbild entsprechen und die daraus resultierende Verurteilung durch die Gesellschaft.
Und zwar hauptsächlich im Bezug auf das Thema Kinderwunsch.

 

„Du bist eine Frau, du wirst bald 30, du wirst nicht jünger, warum hast du noch keinen Freund?  In deinem Alter war ich schon verheiratet. Möchtest du denn jetzt nicht bald Kinder bekommen?“

 

ICH kann es nicht mehr hören.

 

Als ob ein Mann, eine Hochzeit und Kinder, die einzige Option einer Frau sind.
Als ob eine Frau genau diesen einen Weg einschlagen muss.
Und zwar vor 30.
Was haben immer alle mit dieser 30?

 

Ich bin 27, single und glaube zum jetzigen Zeitpunkt, dass ich auch ohne Kinder glücklich werden könnte.
Mein Kinderwunsch ist eher weniger ausgeprägt.
(Ähnlich wie beim „Vegan-Thema“ tritt mein Gegenüber dann erstmal einen Schritt zurück und mustert mich, als hätte ich eine ansteckende Krankheit.)

 

Neulich hatte ich eine - naja mehr oder weniger - interessante Unterhaltung mit einer Bekannten. Im Grunde ging es um meine Zukunft und wo ich mich mit Mann und Kindern sehe.
Ich antwortete ihr sehr vorsichtig: "Naja um ehrlich zu sein, sehe ich mich nicht mit Kinder."
Völlig entsetzt fragte sie: "Mit was siehst du dich denn dann?"
Und noch vorsichtiger antwortete ich wiederum: „Nur mit einem Mann?“
Darauf folgte Gelächter und sie sagte mit einer Selbstverständlichkeit: „Kinder sind der Sinn des Lebens.“
Ich überlegte nicht lange und konterte: „Nicht für Jeden!“

Daraufhin fiel ihr nichts mehr ein.

Die selbe Person fragte mich übrigens zu einem anderen Zeitpunkt auch, ob ich lesbisch sei, weil die Tatsache, dass ich mit 27 noch mit einer meiner engsten Freundin zusammen wohne, wohl nicht in ihr Weltbild passt.

 

Eine andere Freundin, sie ist 33 und seit 6 Jahren verheiratet, erzählte mir, dass es für die Familien selbstverständlich war, dass nach der Hochzeit nun auch sofort Kinder folgen sollten. Sie weiß noch nicht ob sie Kinder möchte, vielleicht ja, vielleicht nein, aber sie weiß eines, im Moment möchte sie einfach die Zeit zu zweit mit ihrem Mann genießen.


Und genau das ist der Punkt!

 

Wir dürfen erstmal heiraten, ohne gleich Kinder bekommen zu müssen.

Manche führen eine erfüllende Beziehung, heiraten aber niemals.

Eine Frau darf sich von oben bis unten tattoowieren lassen und kann trotzdem eine ganz ausgezeichnete Mutter sein. 
Wir müssen keine Hausfrauen mehr sein und können trotzdem hervorragend kochen und putzen.

Und das schaffen wir, trotz unserer Vollzeit-Jobs.

Und ich muss überhaupt keine Kinder kriegen, wenn ich das nicht möchte.


Aber das wichtigste ist: wir müssen es jetzt noch nicht sicher wissen!


Meine Meinung kann sich auch noch ändern, aber wenn sie sich nicht ändert, heißt das nicht, dass mit mir irgendwas nicht stimmt und ich den Sinn des Lebens verfehlt habe.

 

Jeder muss akzeptieren, dass es für jeden von uns einen anderen persönlichen Sinn des Lebens gibt.
Und keiner hat das Recht das in Frage zu stellen oder zu kritisieren.

 

 

 

 

 

Und genau das ist für mich moderner Feminismus.

Wir sind frei. 

Wir sind gleichberechtigt.
wir sind stark.
Wir dürfen unser Leben wählen und gestalten, ob nun Kinder oder Katzen dazu gehören.

Für das sollten wir heute kämpfen, entgegen der allgemeinen (veralteten) Vorstellung der Gesellschaft.

Das sollten wir zwischen den Zeilen der Feminism-Power-Statements auf all den teuren und günstigen Shirts lesen.

 

Love, Carrie

 

 

By the way: fälschlicherweise gehen die Meisten davon aus, dass Feminismus die einseitige Stärkung von Frauenrechten bedeutet. Aber dem ist nicht so. Auch viele (berühmte) Männer sprechen sich für den Feminismus aus und kämpfen für die Rechte von Frauen. Kurt Cobain war und Daniel Craig ist einer von ihnen.

 

 

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