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 KOLUMNE à la CARRIE 

Ist das Leben noch schön?

21 Jun 2017

Zitate – Weisheiten von klugen Menschen – haben mich immer beflügelt.

Sie haben mich motiviert. Mich zum Nachdenken angeregt.

Zitate à la: ‚Life is Beautiful‘ oder ‚Das Leben ist ein Spiegel. Wenn du hinein lächelst, lächelt es zurück.‘

 

 

 

Bei mir lächelt im Moment gar nichts.

Mein Spiegelbild  streckt mir die Zunge raus und zeigt mir den Mittelfinger.

Wenn ich jetzt zufällig auf eines dieser Zitate stoße – hat es einen faden Beigeschmack.

 

Ich frage mich: gilt das denn auch noch für mich?

Darf ich mich immer noch von diesen Zitaten motivieren und inspirieren lassen?

 

Früher – vor einem halben Jahr – habe ich wie verrückt diese Art von Statements gescreenshotet und sie mir immer wieder durchgelesen.

Jetzt wenn ich sie mir ansehe, ist da eben dieses andere Gefühl.

Ich denke, wer das geschrieben hat, dem ist noch nie etwas Schlimmes passiert.

Aber ist das wirklich so?

 

Und letztendlich komme ich nicht umhin mir diese essenziellen Fragen zu stellen:

 

Ist das Leben überhaupt noch schön?

Bzw. kann es jemals wieder schön werden?

Darf ich das Leben an sich noch schön finden?

 

„Natürlich!“

 

Egal wem ich diese Frage stelle, ob meinen Freundinnen oder meiner Psychologin, die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen.

Aber für mich ist das nicht mehr ganz so einfach zu beantworten.

 

Ganz einfach: weil mein Leben gerade einfach nicht schön ist. Und wenn mein Bruder keinen annähernd lebenswerten Zustand erreichen wird, wie kann es jemals wieder schön sein?

Wie kann ich genießen, wenn ich ständig so leide?

 

Ich unternehme etwas, ich verbringe ein Wochenende in Amsterdam oder Berlin, ich gehe wandern in der Fränkischen Schweiz, aber ich kann nie ganz abschalten.

Ich spüre es in meinem Kopf, in meinem Herz, in meiner Bauchgegend.

 

Dieses kleine dumpfe Gefühl, dass da etwas ist. Dass da etwas nicht stimmt.

 

Und dann sehe ich vor meinen Augen meinen Bruder in seinem Bett liegen. Ich versuche es bestmöglich von mir wegzuschieben, aber auch die ersten Prognosen der Nürnberger Ärzte schwirren immer wieder durch meinen Kopf.

Also wie könnte ich das Leben schön finden?

 

Mittleriweile ist etwas Zeit vergangen und wenn ich jetzt länger darüber nachdenke, traue ich mich doch die Frage nach dem schönen Leben zu beantworten.

 

Und zwar: JA!

Das Leben ist einzigartig und wunderschön. Auch mein Leben kann wieder schön sein.

 

Auch wenn es ständig von einer sehr dunklen, grauen Gewitterwolke begleitet wird.

Das ist die eine Hälfte meines Lebens. Die Trauer, die mich jeden Tag aufs Neue überwältigt, wenn ich am Bett meines Bruders sitze und seine Hand halte. Die Angst, dass er plötzlich keine Fortschritte mehr macht und nie wieder meinen Namen sagen wird. Das ständige Elend, das ich im Zimmer meines Bruders sehen muss und außerhalb dieses Zimmers. In den anderen Zimmern. Auf dem Gang und in der Cafeteria der Reha-Klinik.

 

Aber die andere Hälfte, das ist mein Leben. Ich. Die wunderbaren Menschen die an meiner Seite stehen. Meine Familie, die zusammen hält und die Welt bewegt, dass mein Bruder die beste Therapie bekommt. Der Sommer. Wunderbare Bücher. Mein Leben. Meine Wünsche. Meine Träume. Meine Zukunft, die vor mir liegt.

Ich wage zu behaupten, dass ich es noch immer verdient habe, mein Leben zu genießen. Auch mit diesem Schicksalsschlag.

Aber das geht eben nicht von heute auf morgen. Das muss ich lernen. Stück für Stück. Tag für Tag. Und ich muss mich daran erinnern.

 

Ich werde immer alles für meinen Bruder tun, aber ich darf auch alles für mich tun.

 

Ich darf weiterhin träumen. Ich darf mir Zeit für mich nehmen, allein daheim oder mit irgendjemand irgendwo auf der Welt. Und in dieser Hälfte ist das Leben dann auch schön und einzigartig. Vielleicht jetzt mehr denn je, weil sich mein Bewusstsein dafür verändert hat. Also ja, ich glaube das Leben kann noch schön sein.

Und schließlich ist da die Hoffnung, dass alles doch irgendwie gut wird. Es muss nicht perfekt werden, aber es wird irgendwie gut werden.

 

Und dann ist da doch ein Zitat, was mir gut tut, aus dem ich Mut schöpfe:

 

Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

(Oscar Wilde)

 

 

Love, Carrie

 

 

 

 

 

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