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 KOLUMNE à la CARRIE 

Warum lacht sie schon wieder?

20 Jun 2017

Ich hörte diese Frage und bezog sie sofort auf mich.

Hinter meinem Rücken standen - nennen wir sie entferntere Bekannte – und tuschelten.

Im Grunde ist es mir egal, was all die Leute denken oder sagen, aber da hatten sie einen meiner wunden Punkte getroffen.

 

 

 

Es ist so: am Anfang, als der Unfall noch frisch und alles so „lebensgefährlich“ und furchtbar war, habe ich nicht viel gelacht. Zum einen, weil es absolut keinen Grund zum Lachen gab, und zum anderen, weil ich damit zu kämpfen hatte, ob es mir überhaupt zusteht.

Traf ich mich mit meinen Freunden, habe ich mich ablenken lassen und konnte tatsächlich auch mal abschalten. Ich habe gelacht und hatte teilweise auch Spaß.
Das schwierige daran ist, am nächsten Tag damit klar zu kommen. Neben all den Kämpfen die ich zurzeit austragen muss, kommt der innere Kampf.

Wie konnte ich gestern Spaß haben?

Warum habe ich so viel gelacht?

 

Ich weiß, dass mir das absolut zu steht und auch ganz wichtig für mich ist.

 

Ich befinde mich in einem Lebensabschnitt, auf den mich keiner vorbereitet hat bzw. auch gar nicht konnte. Keiner weiß was in diesem Moment angebracht ist und was nicht.

 

Ich schon. Nämlich alles was mir gut tut. Aber das muss ich lernen.

 

Im vorherigen Artikel habe ich geschrieben, dass wir weniger urteilen sollten, weil wir nicht wissen, welche Last Jemand mit sich herum schleppt.
Und somit darf sich auch keiner anmaßen über mich zu urteilen.

 

Ja – aber warum lache ich denn nun schon wieder? 

 

Tatsächliche merke ich, dass ich trotz der Trauer und des permanenten Schmerzes mein Lachen nicht verloren habe. Und das ist auch gut so.

Und ganz ehrlich was erwartet man auch?

 

Nachdem meine beste Freundin mich das erste mal nach dem Unfall besuchte, schrieb sie mir nachdem sie wieder zuhause war, wie beeindruckt sie sei, wie ich mit der Situation umgehe. Wie stark sie mich findet. Ihre Nachricht war lang und beinhaltete soviel Liebe und Vertrauen. Es war eine von den Nachrichten, die dir nur ein Mensch schreiben kann, der alles über dich weiß und der, wenn er könnte, dir jeden Schmerz sofort nehmen würde. Ich war so gerührt. Auch aus dieser Nachricht schöpfte ich Kraft.

Aber trotzdem kamen auch wieder die Zweifel. Weine ich zu wenig?

Denken sie alle, dass ich leichtfertig damit umgehe?

 

(Wenn ich das so schreibe, hört es sich tatsächlich lächerlich an, aber die Gedanken konnte ich einfach nicht abstellen)

 

Permanent quälten mich diese Fragen. Aber warum?

Gibt es eine Definition wie viel bzw. wie lange man weinen muss, nachdem einem etwas so schlimmes passiert ist?

 

Ich hatte den Mut auch dieses Thema bei meinen Freundinnen anzusprechen.

Zwei meiner besten Freundinnen haben letztes Jahr ihren Vater verloren. Sie bestätigten mich, dass die Art von Gedanken ganz normal sind.

Wie alle Themen die wir bei unseren Treffen ansprachen, diskutierten wir lange darüber. Jeder trug etwas dazu dabei.

Am Ende ergab alles etwas mehr Sinn und seitdem versuche ich so gut es geht diese Fragen und Zweifel einfach auszublenden.

 

Meine Eltern zum Beispiel machen sich in der Hinsicht glaube ich kaum Gedanken.

Ich denke, dass ist auch eine Sache des Älter- und Erwachsenwerdens.

 

Und es wird ja schon besser. Ich arbeite daran und lerne dazu.

 

Im Nachhinein sehe ich vieles klarer. Wie viel ich zum Beispiel um die Männer geweint habe, die mir mein Herz gebrochen habe – lächerlich. Wirklich. Keiner war es annähernd wert.

 

Mein Bruder aber ist es. Deshalb ist es ok viel zu weinen.

 

Aber wenn ich gerade nicht weinen kann, dafür aber lachen, dann ist das vollkommen ok.

 

Ich glaube, dass unser Kopf einen eingebauten Selbstschutz für solche „Notfälle“ hat. Der Überlebensinstinkt, ein Urinstinkt. Und überleben heißt auch, dass man sein Leben bestmöglich genießen möchte. Bei manchen ist das ausgeprägter, als bei anderen und letzteren fällt es dann sicherlich schwerer.

 

Auch wenn mein Herz permanent schwer ist - ich darf lachen, so viel und so laut und herzlich, wie ich möchte. Weil es mir in dem Moment gut tut.

Daraus schöpfe ich die Kraft, um am nächsten Tag wieder in die Reha Klinik fahren zu können und am Bett meines Bruders zu stehen und ihm die Hand zu halten.

 

Und wenn ich einen Abend etwas Abstand brauche, einfach abschalte und lache, wenn ich mit meinen Freundinnen Sex and the City schaue und dabei lache, heißt das nicht, dass ich nicht trauer.

Denn das tue ich jede Sekunde, mit jeder Faser meines Körpers.

 

 

Love, Carrie

 

 

 

 

 

Und an all die dummen Lästermäuler: was ihr in den sozialen Netzwerken über mich seht, das ist ein winzig kleiner Ausschnitt aus meinem Leben, ganz einfach, weil es mir Spaß macht.

Was sich die restlichen 23 Stunden in meinem Alltag so abspielt und wie es mir da geht, davon bekommt ihr nichts mit.

Warum? Auch das ist ganz einfach: weil es euch nichts angeht.

 

 

 

 

 

 

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