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 KOLUMNE à la CARRIE 

Die Last die wir tragen

19 Jun 2017

„Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“ Das ist eine geläufige Redensart, kennt sicherlich jeder von euch.

 

Stellt euch das „Päckchen“ als Rucksack vor.

 

 

Jeder von uns hat seinen eigenen, persönlichen Rucksack, den er auf seinem Rücken trägt.

 

Je nach Vorliebe und Anlass ist er entweder kleiner oder größer.

 

Unsere Rucksäcke unterscheiden sich, keiner ist wie der andere. Aber eines haben wir alle gemeinsam: Wir tragen ihn mit uns. Und zwar jeden Tag, jede Minuten und jede Sekunde.

 

Einige von uns tragen einen relativ kleinen Rucksack. Eventuell als modisches Accessoire.
Er ist sehr leicht und angenehm zu tragen, man spürt ihn kaum.

Also eine geringe Last.

 

Dann gibt es Andere, die tragen einen etwas größeren Rucksack mit sich herum. Stellen wir ihn uns als Schulranzen vor. Ich habe früher Diddl Ordner und Harry Potter Bücher in meinem Eastpack mit in die Schule getragen. Da kann man aufgrund des Gewichts schon mal ins Straucheln geraten und das Tragen kann anstrengend werden.

 

Und dann gibt es auch noch Diejenigen, die sich unter der Last ihres Rucksackes kaum fortbewegen können, weil man den Mensch vor lauter Rucksack kaum sieht.
Als ich nach meinem Abitur zwei Monate durch Australien gereist bin, hatte ich so einen großen Trekking Rucksack dabei. Jedes mal wenn ich ihn für ein paar Meter auf meinen Schultern tragen musste, hatte ich Schwierigkeiten das Gleichgewicht zu halten. In kürzester Zeit schmerzten meine Schultern und ich konnte mich kaum auf etwas anderes konzentrieren.

 

Ich sehne diese Zeit zurück, als ich freiwillig und – trotz der Anstrengung - voller Freude und Stolz diesen Rucksack trug.

 

 

 

Mittlerweile trage ich diesen Rucksack jeden Tag mit mir hier herum.
Nicht freiwillig. Ich würde ihn ablegen, wenn es mir möglich wäre.


Die Last die ich trage, gleicht diesem Gewicht.
Und ich drohe darunter zusammen zu brechen.
Das Gewicht auf meinen Schultern ist unerträglich.
Das ist die Last die ich trage. Mein Rucksack.

 

Der anfängliche Kloß im Hals ist teilweise verschwunden. Er ist dem Gewicht auf meinen Schultern gewichen. Man „gewöhnt“ sich irgendwie an „die Situation“, deswegen wird das Weinen etwas weniger.

Aber irgendwie wird eben das Gewicht auf den Schultern schwerer. Teilweise habe ich das Gefühl zu Boden gedrückt zu werden, kaum Kraft zum Stehen oder Laufen.

Ich fühle mich schwach. So schwach.

 

Die Angst wiegt am schwersten.
Angst, dass dieses Gewicht mich irgendwann überrollt – erdrückt – zu Boden drückt, so weit, dass ich nicht mehr alleine hochkomme.

 

Und dann gibt es Tage, da merke ich, dass es etwas leichter wird.
Weil mir jemand dabei hilft meinen Rücken und meine Schultern zu entlasten.
Ich kann mal kurz durchatmen. Das Gewicht lässt etwas nach.
Ich kann meine Muskeln lockern, etwas entspannen, bevor ich meinen Rucksack wieder alleine tragen muss.

 

Ich setzte einen Fuß vor den anderen. Jeden Tag.

 

Ich spüre, dass vor allem meine Beine Stand halten, sie ertragen es.

 

Meine Muskeln gewöhnen sich sozusagen an das Gewicht.

 

Sie ertragen mehr.
Ich ertrage mehr.
Ich werde stärker.

 

Ich weiß, dass wieder ein schlechter Tag kommen wird, an dem ich Angst haben muss, dass ich die Last nicht mehr ertrage.

 

Aber ich habe bisher nicht aufgegeben.


Ich werde es ertragen.
Ich werde stärker.


Und so setze ich auch weiterhin einen Fuß vor den anderen.

 

Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen. Jeder trägt seinen unsichtbaren Rucksack auf seinem Rücken.

Bei manchen sieht man ihn weniger, bei anderen mehr.

 

 

Love Carrie

 

 

Und die Moral von der Geschichte: Carrie und Stanford (Sex and the City) witzeln in Staffel 5: „Wir alle urteilen. Das ist unser Hobby.“

Wir tun es alle, ich habe es besonders gern getan. Jetzt versuche ich es bleiben zu lassen. Denn schließlich weiß ich nicht welchen unsichtbaren Rucksack Derjenige, den ich gerade verurteile, auf seinem Rücken trägt.

Ich kenne seine Last nicht.

Ich weiß nicht, welche Last er gerade ertragen muss.

Deshalb darf ich nicht urteilen.

 

 

 

 

 

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