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 KOLUMNE à la CARRIE 

Ein ganzes halbes Jahr

4 Jun 2017

Heute vor genau einem halben Jahr war der schlimmste Tag in meinem Leben.

Vor 182 Tagen hat sich mein Leben schlagartig verändert.

Am 4.12.2016 hatte mein kleiner Bruder diesen schweren Autounfall.

Heute, am 04.06.2017, ist also ein halbes Jahr vergangen.

Seit 6 Monaten lebe ich und auch meine Familie mit diesem Schicksalsschlag.

 

 

Die anfänglichen Prognosen haben wir hinter uns gelassen.

Mein Bruder macht Fortschritte, immer noch winzig kleine und sehr langsam, aber er kämpft nach wie vor. Und das ist für uns immer noch das Wichtigste.

 

Die Früh-Reha Phase ist bald vorbei und mein Bruder wird in naher Zukunft die Reha-Klinik verlassen und vorerst nach Nürnberg in eine intensiv betreute WG kommen.

 

Nach den ersten Kolumnen haben sich unzählige liebe Leute bei mir gemeldet. Ich habe so viele tolle Nachrichten bekommen, damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Aber jede einzelne Nachricht hat mich bestärkt weiter zu machen, mich motiviert, und vor allem aber hat es mir gut getan. Es haben sich Menschen bei mir gemeldet, die ebenfalls etwas Ähnliches durchgemacht haben oder noch durchmachen und das bedeutet mir sehr viel.

 

An dieser Stelle aus tiefsten Herzen: Danke.

 

Die Meisten haben mich auch gefragt wie es meinem Bruder denn jetzt geht.

Das ist eine schwierige Frage.

Definitiv werde ich die Privatsphäre meines Bruders schützen und keine persönlichen Details ausplaudern.

Nur so viel: Er ist immer noch nicht ganz wach, Kommunikation ist schwierig, manchmal funktioniert sie über Augenschluss, manchmal nicht. Der Kommunikationsweg ist nicht gesichert – wie die Therapeuten sagen. Zwei weitere Operationen, für die wir jeweils zwei Wochen in das verhasste Südklinikum zurück mussten, hat er gut überstanden und sich davon erholt.

Er ist schwer krank und es ist nachwievor ein sehr schlimmer Zustand.

Aber ich bin sehr dankbar, dass sich hingegen der Aussagen der Nürnberg Ärzte bei meinem Bruder etwas tut. Die Therapie wird auch in Nürnberg in der Wohngruppe hochfrequent weitergehen. Und wir alle sind uns sicher, dass er weiterhin kämpft und zu uns zurück kommen wird.

 

Genauso oft wie ich gefragt werde, wie es meinem Bruder geht, werde ich gefragt, wie es mir geht. Ich hasse diese Frage und weiß nie, was ich darauf antworten soll. 

Was erwartet der Fragende von mir?

In unsere Gesellschaft ist das eine gängige Frage, eine Floskel fast wie ein „Hallo“. Deswegen bin ich auch keinem böse.

Üblicherweise ist die Antwort genauso lapidar: „Gut“.

 

In meinem Fall wäre das schlichtweg gelogen.

Auch wenn es, wie gesagt vielleicht Standard und nicht weiter von Bedeutung ist, bekomme ich das „Gut“ selten über die Lippen.

 

Es kommt mir so vor, als würde ich damit meinen Bruder verraten. Und ich habe Angst, dass mein Gegenüber wirklich denken könnte, dass es mir gut geht, weil das geht es mir natürlich nicht. 

 

Also wie geht es mir?

Sagen wir so, ich funktioniere. An die Situation habe ich mich nicht gewöhnt, und bezweifle, dass ich es jemals tun werde.

Aber es ist jetzt unser Alltag.

Ich arbeite, ich schreibe, ich treibe regelmäßig Sport, ich besuche meinen Bruder, ich bin bei meiner Mutter.

 

Noch nie habe ich mehr Stress empfunden als im letzten halben Jahr. Jeder „stressige“ Arbeitstag, mein Abitur sowie alle Prüfungen während meines Studiums kommen nicht an das Stresslevel ran, das ich jetzt bewältigen muss.

 

Ich, meine Mama und mein Papa  - manchmal auch unsere Großeltern und Frederiks engste Freunde  - wechseln uns täglich mit dem Besuchen ab. Manchmal bin ich 3 Tage nicht bei meinem Bruder, dafür aber dann wieder 3 Tage am Stück.

Vor allem der Weg nach Kipfenberg, die Strecke auf der Autobahn und die Zeit im Auto empfinde ich persönlich als so, so anstrengend und kräftezehrend.

Nebenbei müssen natürlich unsere beiden Firmen weiterlaufen.

 

Ich habe Tage an denen es mir besser geht. Und Tage an denen es mir schlechter geht.

Das ist bei uns allen so.

Meine Psychologin, zu der ich regelmäßig gehe, empfiehlt mir jedes Mal, mir bewusst Zeit für mich zu nehmen.

 

Zeit in der es nur um mich geht. Vor allem um Kraft zu sammeln.

 

Und das tue ich auch. Und in den Momenten geht es mir dann auch gut.

Dabei helfen mir wundervolle Freundinnen, die mich ablenken und aufbauen.

 

Ein halbes Jahr voller harter Kämpfe liegt hinter uns.

Ein ganzes halbes Jahr ist doch eigentlich ein langer Zeitraum.

Aber ich habe jegliches Zeitgefühl verloren.

Manchmal kommt es mir so vor, als wäre es gestern passiert.

Aber nein es ist schon 6 Monate her.

 

Carrie

 

 

P.S.: Wir brauchen Hilfe: kennt jemand gute und erfahrene Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden aus Nürnberg bzw. Umgebung die auf Schädel-Hirn-Verletzte mit einer Trachealkanüle spezialisiert sind? Des Weitern suchen wir auch Musiktherapeuten und Therapeuten die die Affolter-Therapie beherrschen.

Wir sind für jeden Tipp dankbar.

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