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 KOLUMNE à la CARRIE 

Glaubst du jetzt an Gott?

10 May 2017

Die Frage stellte mir vor kurzem eine Freundin. Ich bin Atheistin. Sie gläubige Katholikin. Wahrheitsgemäß antwortete ich: „Nein! Wenn es einen Gott geben würde, dann hätte er den Unfall meines Bruders verhindert.“

 


Das ist die Standardaussage, die Möchtegern-Atheisten verwenden: nein es gibt keinen Gott, weil sonst würde er sowas wie Krieg oder Krebs verhindern. Das hat sicherlich jeder von uns schon einmal gehört.

 

Allerdings musste ich länger als gedacht über die Frage nachdenken.


Ich glaube an die Evolution. An die Medizin. An die Ärztin, die meinem Bruder das Leben gerettet hat. Ich glaube an den Willen und die Kraft meines Bruders.

 

Wo soll dabei Gott sein?

 

Ich glaube, dass man auch zwischen Gott und Religion unterscheiden muss.

Ich gehe regelmäßig zum Yoga. Hauptsächlich tue ich es für meinen Körper, aber natürlich entspannt es mich auch, tut also auch meinem Geist gut, ich meditiere.

Gläubige gehen im Rahmen ihrer Religion auch regelmäßig in die Kirche.

Ist das nicht auch eine Art Meditation? Seelenbefriedigung?

 

An Gott glauben, nur weil man seine Nicht-Existenz nicht beweisen kann?
Dann müsste ich auch an den Osterhasen, das Christkind und die Zahnfee glauben und das tu ich ja auch nicht. Ihr etwa?


Noch weniger harmonisiere ich mit Religion und einem Gott – egal welchem – wenn ich mir das aktuelle Weltgeschehen so ansehe: Im Namen Gottes werden Kriege geführt, Anschläge verübt. Die oberheiligen Katholiken missbrauchen Kinder, es wird vertuscht.

Frauen werden noch immer gegen ihren Willen beschnitten.

 

Nein, damit kann ich mich absolut nicht identifizieren.


Natürlich habe auch ich nach dem Unfall unzählige Male zu Gott gebetet: „Bitte, lieber Gott, mach dass mein Bruder gesund wird. Nur dieses eine Mal. Bitte.“


Ich denke es ist der menschliche Wunsch nach einer höheren Macht, die in diesem Fall Leben retten könnte.


Ich glaube aber, dass Religion eine Erfindung von Menschen ist, die nach Macht streben.

 

 

Aus persönlichem Interesse habe ich mich vor kurzem ein wenig in den Buddhismus eingelesen. Daran gefiel mir schon mal, dass es keinen Schöpfer-Gott gibt, wie beispielsweise im Christentum.

Es wird also kein allmächtiger Gott angebetet.

Unter anderem geht es um die Lehre von Körper und Geist und dass man diese zwei Komponenten trennen muss.


Ein Gehirn, ist körperlich, man kann es sehen und fotografieren.
Unser Geist kann traurig aber auch glücklich sein. Sehen, anfassen oder fotografieren können wir ihn jedoch nicht.


Wenn das eine Religion ist, dann kann ich mich eher damit identifizieren.

Jedenfalls bin ich neugierig geworden und werde das Buch weiterlesen.


Im Bezug auf meinen Bruder und dessen Unfall, kann ich also eher mit der buddhistischen Lehre argumentieren: ich glaube an seinen Körper, der verletzt ist, und geheilt werden kann oder verletzt bleibt. Aber ich glaube auch an den Geist meines Bruders, das was die Ärzte eben nicht medizinisch belegen können, was wir aber tagtäglich sehen: die Konzentration und die Anstrengungen während seiner Therapien, sein Wunsch sich zu äußern, sein täglicher Kampf und die Augen mit denen er mich ansieht.

 

Das macht sein Geist. Das ist mein Bruder.
Kein Gott. Keine Religion.

 

Love, Carrie

 

 

 

 

 

 

 

Die Bilder sind im Kölner Dom aufgenommen worden

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