© 2017 by Kolumne à la Carrie.

Proudly created with Wix.com

  • White Facebook Icon
  • White Instagram Icon

 KOLUMNE à la CARRIE 

Krankenhaus. Ein Graus. #2

6 May 2017

Eigentlich vertraut man auf die Aussagen von Ärzten.

Das muss man als Nicht-Mediziner ja auch.

 

Wir taten es nicht.

 

 

Vor allem, weil jeder einzelne Arzt immer wieder unsere Patientenverfügung erwähnte.

Ich dachte damit haben wir alle etwas Sinnvolles getan.

Teilweise hatte ich jetzt das Gefühl, dass uns die paar Blätter Papier zum Verhängnis werden. Aber auch das ist ein Thema für sich.

 

Am Tag nach dieser vernichtenden Aussage, fuhren wir auf Empfehlung nach Erlangen in die Kopfklinik. Dort hatten wir eine Privatsprechstunde bei dem Leiter der Klinik um uns eine zweite Meinung einzuholen.

Dabei hatten wir sämtliche Berichte, Bilder, Intensivkurven und einen befreundeten Arzt, dessen Meinung uns sehr wichtig ist.

 

Der Professor schaute sich kurz die Unterlagen an und sagt dann aber sofort: „Auf keinen Fall jetzt aufgeben. Er ist zu jung. Da sind noch Stammzellen vorhanden. Keiner kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, wie es ausgeht.“


Auch in diesem Moment brach ich wieder in Tränen aus.

Ich dachte ich fahre da hin, und höre die gleiche Meinung. Ich stellte mich darauf ein, dass auch er mir sagen wird, dass mein Bruder sterben wird. Dass ich diese furchtbare Entscheidung treffen muss.

Du willst die Bestätigung bekommen, dass du das Richtige tust.

In diesem Moment schwirren auch ganz egoistische Gedanken durch den Kopf, zum Beispiel, dass dieser Höllentrip endlich ein Ende finden muss, weil ich es nicht mehr aushalte.

 

Und dann -zum Glück- sagt dieser Mann das Gegenteil. 


Bestärkt und mit ein wenig mehr Hoffnung fuhren wir zurück nach Nürnberg. Als die tägliche Ärzteschar zur Visite kam, platze alles aus mir heraus.

Denn heute, an Tag 10, sagten sie uns, wir können uns langsam überlegen, in welche Reha-Klinik mein Bruder verlegt werden soll, sobald er stabil für den Transport ist. Sie sagten uns auch, dass Morgen wohl die Tracheal-Kanüle gelegt wird, weil dies die bessere Beatmungsvariante sei.


In diesem Moment verspürte ich so viel Hass und so viel Wut, ich konnte nicht anders. Die junge Assistenzärztin war auch heute wieder dabei, Dr. Rü. nicht.

 

Ich schrie sie an: "Was ist das hier für eine Scheiße? Gestern sagt man uns wir sollen ihn sterben lassen und heute melden wir ihn zur Reha an? Gestern sagte ihr Kollege, die Maßnahme der Tracheal Kanüle sei im Sinne der Patientenverfügung schon eine lebensverlängernde Maßnahme und heute sagen sie uns, dass der Eingriff morgen durchgeführt wird?“

 

Ich dachte nicht, dass ich jemals so mit einem Arzt reden würde, geschweige denn wenn mir drei Möchtegern-Halbgötter in Weiß gegenüber stehen.


Aber ich konnte nicht mehr.


Das eigentliche Problem war, dass sie alle mitbekommen hatten, dass wir nach Erlangen zu Prof. Dr. B. gefahren sind und uns dessen Meinung besser gefiel.

Der Name ist weit bekannt, und hat Gewicht.

 

Eine der Ärztinnen versuchte ihren Kollegen zu verteidigen und meinte: „Naja so wird er es Ihnen nicht gesagt haben. Er hat sicherlich erwähnt, dass es eine 20 prozentige Chance für ihren Bruder gibt.“

Abermals drehte ich mich um, mein Hass, meine Wut, Tränen - alles schoss aus mir heraus: „20 Prozent, sind 20 beschissene Prozent, zu denen könnte mein Bruder gehören.“

 

Ab dem Tag, war das Vertrauen weg. Ich wollte nur noch so schnell wie möglich aus diesem Krankenhaus raus. Ich sehnte dem Tag entgegen, an dem mein Bruder in die Reha-Klinik verlegt werden würde.


Ich dachte zu diesem Zeitpunkt auch, dass es nicht mehr schlimmer geht, dass sich ein Arzt nicht noch mehr daneben benehmen kann.

 

Aber es steigerte sich noch. Eine Woche später.

 

Fortsetzung folgt…

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

FOLLOW ME
  • Black Facebook Icon
  • Black Instagram Icon
SEARCH BY TAGS
Please reload

FEATURED POSTS
Please reload

INSTAGRAM