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 KOLUMNE à la CARRIE 

Krankenhaus. Ein Graus. #1

4 May 2017

 

25 Tage lang besuchte ich meinen kleinen Bruder Tag für Tag von 16-19 Uhr auf der Intensivstation.
Das sind die Besuchszeiten der Intensivstation des Klinikums Nürnberg Süd.

 

 


 

Ich werde niemals wieder den Augenblick vergessen, als ich nach der Not-OP zu meinem Bruder durfte. Ich dachte ich werde ganz viel Blut sehen, oder erkenne ihn nicht wieder.

Aber ich sah nur Monitore, Kabel die unter der Bettdecke hervorschauten, und das Gesicht meines Bruders.

Er war zugedeckt. Sein Wunde am Kopf mit einem Tuch abgedeckt.
Er sah aus wie immer, und auch irgendwie nicht.

 

Bisher musste ich noch nie auf eine Intensivstation.
Bisher hatte ich noch keinen Kontakt zu Ärzten, Schwestern oder Pfleger in einem Krankenhaus.

 

Und eines ist absolut sicher, es ist in keinster Weise wie bei Grey’s Anatomy.


25 Tage lang tat sich immer wieder eine neue Hölle für uns auf.
Und das nicht, weil sich der Zustand meines Bruders verschlechterte.
Er stabilisierte sich von Tag zu Tag.

 

Verbringt man so viel Zeit in einem Krankenhaus wie wir, lernt man sämtliche Pfleger und Ärzte der Intensivstation kennen.

Klar, es ist ein 3-Schicht-System.

 

Bis zu diesem Zeitpunkte hatte ich immer Respekt vor Ärzten, jetzt habe ich das nicht mehr.
 

Wie mit uns umgegangen wurde, wie mit uns kommuniziert wurde, es war der reinste Alptraum. Unzumutbar.
Diese 3,5 Wochen waren ein ständiges Auf und Ab.

Für uns. Nicht für meinen Bruder.

 

Man sagt die ersten 72 Stunden seien kritisch.
Wenn das überstanden ist, wagt man es, das erste Mal durchzuatmen.
Als erstes muss der Hirndruck sinken, also die Schwellung muss zurück gehen.
Damit Frederik stabil für das MRT ist. Nach dem MRT die Entwarnung: keine Querschnittslähmung.

Aber die Bilder zeigten leider auch, wie dramatisch seine Gehirnverletzungen waren.

 

Am 9. Tag nach dem Unfall wurden wir zum ersten Mal zu einem Gespräch in eines der Ärztezimmer gebeten.
Uns gegenüber saß ein Oberarzt und eine Assistenzärztin. Die Assistenzärztin kannte ich schon. Sie ist wahrscheinlich kaum älter als ich und sie kann mir nicht in die Augen schauen. Also auch wenn sie mit mir spricht. Sie visiert immer einen Punkt auf meiner Schulter.
Unangenehm und komisch. Und für mich absolut unprofessionell.


Die beiden sagten uns, dass aufgrund der Patientenverfügung meines Bruders es sinnvoller wäre, die Maschinen abzustellen.
Er wird kein lebenswertes Leben mehr haben.
Er wird wahrscheinlich nie wieder selbständig atmen können.

 

Als er das sagt, schmunzelte er. Dr. Rü. Ja, ein leichtes Lachen.
Ich werde seinen Namen, sein Gesicht, sein Lachen nie wieder vergessen.

 

Und wieder brach meine Welt zusammen.
Und meine Oma neben mir.

 

 

Fortsetzung folgt…

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