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 KOLUMNE à la CARRIE 

Herzschmerz.

1 May 2017

Vergleichbar ist der Schmerz - den ich permanent spüre - eventuell mit Liebeskummer.
Nur 1000 Mal stärker.

 


Ich spüre wo mein Herz sitzt. Irgendwo unter meiner Brust.
Es ist so schwer. Es tut einfach so weh. Es ist wirklich mit nichts vergleichbar, was ich bisher in meinem Leben empfunden habe.
Im Nachhinein war jede Trennung, die ich als schlimme Erfahrung empfunden habe, ein Klacks gegen das, was ich jetzt durchstehen muss.


Ich hatte keine Ahnung, dass man so fühlen kann.

Wie es ist.


Wenn man ständig nur Angst, Trauer und Hilflosigkeit empfindet, bleibt die Welt stehen.

 

Am Anfang habe ich permanent geweint, es ist mittlerweile weniger geworden. Teilweise unterdrücke ich es. Deshalb fühlt es sich an, also würden unsichtbare Hände meinen Hals fassen und zudrücken. Andauernd.

Körperlich wie geistig fühle ich mich schwach. Unglaublich schwach.

Aber ich muss funktionieren. Für meinen Bruder. Und für meine Familie. Wir brauchen Kraft. Weil wir alle wissen, dass es Monate, ja sogar Jahre, dauern kann. Und solange muss ich durchhalten.

 

Am 4.12.2016 gegen halb 3 am Nachmittag hatte mein Bruder einen schweren Autounfall. Kurz vor einer Ortschaft überholte er und kam nach dem Einscheren aus unerklärlichen Gründen von der Straße ab.

Ihm kam kein Auto entgegen.
Er überschlug sich mehrere Male.

Das Dach gab nach.
Darunter war sein Kopf.

 

Am Unfallort, so berichtete man uns, lief alles so ab, wie es ablaufen muss. Ersthelfer zogen ihn aus dem Auto, Polizei, Feuerwehr, Rettungsfahrzeuge und Rettungshubschrauber waren in kurzer Zeit vor Ort. Mein Bruder wurde am Unfallort noch intubiert, bei Bewusstsein war er nicht mehr. Er wurde in die Notaufnahme des Südklinikums Nürnberg geflogen. In einer 4-stündigen Not-OP retteten zwei Ärztinnen meinem Bruder das Leben. 

 

Zur gleichen Zeit saßen meine Mutter, mein Vater meine Mitbewohnerin, ich und vier von Frederiks Freunden vor dem OP und warteten.
Warten.
Man hatte uns bis dahin nicht viel gesagt. Er hat schwere Kopfverletzungen, er wird operiert.

Ein Seelsorger wurde uns an die Seite gesetzt. Vier Stunden lang saß er mit in der Runde, er sagte kein Wort.


Man geht sämtliche Szenarien im Kopf durch. Dass er sterben könnte, blendete ich aus.

Das ist keine Option.

 


Man denkt so viel, und gleichzeitig auch an nichts.


Neben uns war ein Aufzug, ich weiß noch, dass ich mich auf dessen Türen und auf das Klingeln konzentrierte, wenn er in unserem Stockwerk hielt. 4 Stunden lang. Aber ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren.


Ich weiß, dass mir unglaublich kalt war.

 

Als nach einer Ewigkeit eine Ärztin aus dem OP auf uns zu kam und sich zu uns saß, war es, als würde ein Film ablaufen. Ich musste an Grey‘s Anatomy denken, wenn die Hauptdarsteller nach einer OP zu den Angehörigen kommen und ihnen sagen: Es tut mir Leid, wir haben alles für Ihren Sohn getan.

 

Diese Ärztin sagte uns: Frederik hat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten, sie mussten die Schädeldecke entfernen. Sein Gehirndruck ist enorm hoch.
Wenn er überlebt, dann wird er massive Schäden davon tragen. Danach hört ich nichts mehr. Die Zeit bleibt stehen. In meinem Kopf wiederholte ich die Worte der Ärztin.

 

Ich stand auf und ging zur Toilette, ich musste mich übergeben.

 

Fortsetzung folgt.

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