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 KOLUMNE à la CARRIE 

Social Media Opfer

27 Apr 2017

 

 

Ich war das größte Social Media Opfer. Das kann ich ganz offen so zugeben. Es ist ein Phänomen unserer Zeit- der Generation Y.

 

Mein Tag beginnt und endet immer gleich. Fast schon wie ein Ritual.
Der erste Wecker auf meinem Iphone ist auf 6 Uhr eingestellt, noch ist die Melodie harmonisch, für das langsame Erwachen.

 

Ich drücke auf „Stop“, drehe mich um und döse noch einmal ein.

 

10 Minuten später klingelt das nächste Mal der Wecker. Die Melodie ist jetzt etwas aggressiver, lauter. Ich werde wacher, stehe aber noch nicht auf. Ohne die Augen zu öffnen, versuche ich mit einer Hand mein Iphone zu finden.

 

Der Alarm nervt mich tierisch. Auch diesen Alarm schalte ich wieder ab.

 

Vor meiner Zimmertüre höre ich meine Mitbewohnerin, sie macht sich gerade Kaffee. Ich trinke keinen Kaffee. Nie. Obwohl ich Kaffee trinken schick finde, irgendwie stylisch, bekomme ich diese schwarze, bittere Brühe einfach nicht runter.
Ich schlafe nicht wieder ein.
Mein Iphone ist noch in meiner Hand. Meine Augen müssen sich erst an das Licht des Bildschirmes gewöhnen. Das macht aber nichts, denn mein Daumen findet blind den richtigen Ordner. Soziale Netze. Als erstes öffne ich Facebook. Aber irgendwie ist Facebook out. Es dauert nicht lange bis ich die App wieder schließe. Ich öffne Instagram. Mal sehen was sich seit gestern Abend getan hat.
Ich merke wie meine Laune bereits sinkt.

Und ich bin noch  nicht einmal aufgestanden. All diese schönen Mädchen, mit den perfekten Haaren, vollen Augenbrauen, durchtrainierten Körpern, Kleiderschränke die mich vor Neid erblassen lassen. Die Schuhe. Die Taschen.

Ja ich bin neidisch. 

Als letztes öffne ich Snapchat, mittlerweile ist es zu meinem Lieblings-Social-Media-Kanal aufgestiegen. Es dauert gut 20 Minuten bis meine komplette Story durchgelaufen ist und ich auf dem neuesten Stand bin.

 

Ich muss schon zugeben, eine große Bereicherung ist es nicht. Das meiste was ich gerade gesehen habe, stammt von Leuten die ich nicht kenne. Blogger. Influencer. Mal ein Freund. Mal ein Promi. Mal auf Deutsch. Mal auf Englisch.

Ich werfe einen Blick auf die Uhr: 6:53 Uhr. Fast eine Stunde liege ich schon wach in meinem Bett und gehe diesem Hobby nach. Ein Hobby, welches anfänglich fast schon einer Sucht glich.
Ich bestellte den empfohlenen Detox Tee, kaufte  die süße kleine Tasche aus dem belgischen Online-Shop nach und  habe keinen „Haul“ verpasst, nur um am Ende mit dem Rabatt-Code im dazugehörigen Online-Shop 20% abzustauben.

 

So war das. Davor. Bevor dieser schreckliche Unfall passierte.

Der Unfall der mein Leben schlagartig verändert hat. Mich eingeschlossen. Und das Bewusstsein zum Leben.

 

Schon davor merkte ich, dass meine Social Media Aktivitäten etwas nachließen. Ich konnte mich nicht mehr mit den „Influencern“ identifizieren, ich war teilweise richtig genervt, und mir fiel immer mehr auf, wie viel Schwachsinn sie den ganzen Tag erzählen.

 

Als der Unfall passierte war ich die ersten Wochen in einer Art Schockstarre, alles stand Kopf. Es gab nur meinen Bruder, die Intensivstation, Mama, Papa und die Arbeit. Wir hatten trotz allem zwei Firmen zu führen. 

Die ersten Wochen schlief ich auch Nacht für Nacht bei meiner Mutter. Wir mieden den Wohnbereich meines Bruders, es tat zu sehr weh.

Ich mied auch Instagram & Co. Es war mir das erste Mal seit langem egal geworden. Ich merkte, dass es tatsächlich wesentlich wichtigere Dinge in meinem Leben gab, und vor allem hatte ich keinen Kopf und keine Zeit dafür.

 

 

 

 

Als ich dann nach Wochen einen Moment der Ruhe und Entspannung, in meiner Badewanne und meiner Wohnung, ganz für mich allein hatte, hatte ich das Bedürfnis mal wieder in Snapchat zu schauen.
Es verging keine Minute, und ich musste es wieder schließen.

Eines der Mädchen präsentiert ihre neue Gucci Bag. Stimmt – es war ja Weihnachten.
Für uns gab es dieses Jahr kein Weihnachten. Sie bemerkte nebenbei, man solle ihren Pickel am Kinn nicht beachten.

Ich wollte laut losschreien.

Am liebsten würde ich mein Iphone gegen die Wand prellen. Aber ich weiß ich kann mir kein neues leisten.

Und ich bin einfach nur wütend. Ich bin wütend, weil mich die Trauer und der Schmerz so überwältigt. Ich bin wütend, weil ich auf so grausame Weise lernen musste, was im Leben wirklich wichtig ist. Und es ist nicht ihr scheiß Pickel auf dem Kinn. Und auch nicht die schöne Gucci-Tasche.

 

Es ist so banal. So unwichtig. Ich würde jede Taschen, jedes Kleidungsstück, alles was ich besitze, eintauschen, dafür, dass mein Bruder wieder gesund wird.

 

Ich komme einfach nicht umhin mich zu fragen: warum redet keiner von diesen Social-Media-Größen mal über was wirklich Wichtiges?

 

Diesen Artikel habe ich kurz nach Weihnachten verfasst. Letzteres habe ich mich sicherlich auch schon vor dem Unfall gefragt. Aber mittlerweile ist es konkreter geworden. In einer Scheinwelt voller Filter, inszenierten Posen und unrealem Perfektionismus, möchte ich wichtigere Themen aufgreifen. Was ich hier auf Kolumne à la Carrie anders machen möchte - um was es hier wirklich geht - das erfahrt ihr in meiner nächsten Kolumne.

 

Love, Carrie

 

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